„NO TIME TO PAINT“: Pavel Büchler, Paul Czerlitzki
8.6.-13.7.2013
Vernissage Fr 7.6.2013, ab 18 Uhr
"no time to paint“, der Titel der aktuellen Doppel-Ausstellung verweist auf eine Arbeit von Pavel Büchler(*1952, UK/CZ), die zusammen mit einer Auswahl aus der Serie der „Honest Work“ gezeigt wird. Er ist, bezogen auf Büchler, als ein Statement zu verstehen, das nachdenklich-ironisch die eigene Praxis hinterfragt. Dieses Selbstreflexive gilt auch für Paul Czerlitzki (*1986, PL/DE), auch wenn er seine Zeit ganz der Malerei widmet. Beide Künstler schaffen sich mit ihrem Wissen um die Vielschichtigkeit konzeptueller Verfahren Handlungs-Freiräume, die sie künstlerisch auszuloten wissen. Die daraus sich entwickelnden Arbeiten bestechen oft durch ihre einfache Form und ihre klaren Setzungen.
Die Arbeiten aus der Serie der „Honest Work“, etwa „One and Three Words“ oder „This and That“ von Pavel Büchler, ein Konzeptkünstler der ersten Generation, gehören zu der Gruppe der Textarbeiten, die eine zentrale Stellung in seinem bisherigen Werk einnehmen. Allgemein ist sein Umgang mit Sprache, mit Buchstaben und Text voller Anspielungen auf die Bedingungen der künstlerischen Produktion und Rezeption, aber auch auf die Bedeutung von Systemen. Die Serie der „Honest Work“, mit Buchdruck Lettern hergestellte Unikate, sind in einem gewissen Sinne tautologisch angelegt. Die gedruckten Worte sind identisch mit ihrer inhaltlichen Bedeutung. Die darin verborgenen Ideen, die Poesie und intellektuelle Kraft sind im ersten Moment eher intuitiv erfassbar, entfalten aber ein reiches Spiel an Denkmöglichkeiten über das Verhältnis der Kunst zur Sprache und von Text und Bild.
In seinen Untersuchungen zur „Geste des Malens“(1) schreibt Vilém Flusser: „Der Maler wird in der Geste des Malens wirklich, weil sein Leben darin auf eine Veränderung der Welt abzielt. Er zielt auf das zu malende Gemälde und durch es hindurch auf die anderen, die mit dem Maler da sind: auf die Zukunft“. Unüberhörbar ist der Glaube auf den kommunikativen Aspekt der Malerei, aber auch die Idee, dass die Geste des Malens der Welt etwas hinzufügt, das die Wahrnehmung herausfordern und damit die Sicht auf die Welt verändern kann. Für Paul Czerlitzki, der Leinwände als Membran benutzt, um durch sie hindurch die Farbe auf den Bildträger oder Wände zu übertragen. Der die Vorderseite von grundierten Leinwänden anschleift, so dass Druckstellen der Keilrahmen minimale Zeichnungen hinterlassen oder Leinwände auch einfach wendet und neu aufspannt, sie rollt oder faltet, sind es diese minimalen Verschiebungen im Verständnis von Malerei, die für das Sehen und Erleben Bedeutung haben können. Visuell und konzeptuell reihen sich die Arbeiten Paul Czerlitzkis in die Tradition der selbstreflexiven, analytischen und minimalistischen Malerei ein. Aus dieser historischen Erfahrung heraus liest sich Vilém Flussers Hinweis auf die Zukunft auch wie ein Versprechen auf noch unerforschte Möglichkeiten. Wiederholungen und Reihungen sowie der Einbezug des kalkulierten Zufalls als Teil einer künstlerischen Praxis, das performative Experimentieren mit Leinwänden im Raum, sind weitere Verfahren, mit denen Paul Czerlitzki sich selber, das Publikum und die Malerei auf Zukünftiges hin öffnet.
Künstlergespräch Mittwoch, 10. Juli 2013, 18h
Paul Czerlitzki und Mirjam Fischer, freischaffende Kunsthistorikerin und Buchproduzentin
(1) Vilém Flusser, Gesten, Versuch einer Phänomenologie, Bollmann Verlag, 1991